Wir nehmen Farbe auf die selbe Art wahr wie Geschmack. Wenn wir essen, nehmen unsere Geschmacksknospen vier Sorten Geschmack wahr: suess, salzig, sauer und bitter. Bewegen Sie den Mauszeiger ueber die unten abgebildeten Nahrungsmittel, um deren spezifische Geschmackskomponenten angezeigt zu bekommen:

Auf aehnliche Weise nehmen unsere Sehnerven Farbe in Form von Farbeigenschaften wahr: Der Anteil von Gruen oder Rot; der Anteil von Blau oder Gelb; und die Helligkeit. Um zu sehen, wie Farben in Bezug auf ihre Farbeigenschaften erfasst werden, bewegen sie den Mauszeiger ueber das untenstehende Gemaelde von Renoir:

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Machen Sie sich bewusst, dass diese Eigenschaften Gegensaetze darstellen, wie heiss und kalt. Farbnerven reagieren auf Gruen oder Rot - aber niemals auf beide zusammen, und auf Gelb oder Blau - aber niemals auf beide. Aufgrund dessen sehen wir niemals ein blaeuliches Gelb oder ein roetliches Gruen. Die Gegensaetze dieser Farben bilden die Grundlage fuer das Farbensehen. Diese drei Groessen, „gruen oder rot“, „blau oder gelb“ und Helligkeit bilden die Grundlage dafuer, wie unser Gehirn Farbe wahrnimmt. Es gibt noch viele andere mathematische 3D-Darstellungsweisen von Farbe, wie RGB, CMYK, LAB, HSV, HSL und NCS, die alle in den ColoRotate-Reglern zugaenglich sind.

Oft legen wir Farben fest, indem wir nur auf einen Ausschnitt aus dem 3D-Farbraum schauen. Der Fachausdruck „Buntton“ (Hue) bezeichnet den Querschnitt eines Farbraums; „Buntheitsgrad“ oder „Saettigung“ (saturation) zeigt, wo zwischen der grauen Mitte und den Ecken eine Farbe liegt; „Farbwert“, auch „Helligkeit“ oder „Leuchtdichte“ (brightness) genannt, ist die Intensitaet der Farbe und deren drittes Attribut.

Mit ColoRotate koennen Sie auf einfache Weise Buntton (hue) und Saettigung (saturation) einstellen, indem Sie auf „Hue“ klicken, oder Saettigung und Helligkeit durch das Anklicken von „Tint“ („Toenung“).

Das visuelle Gehirn

Farbe ist ein Mikro-Bewusstsein – anfangs eine elementare Faehigkeit, die uns das Ueberleben sicherte und die sich weiterentwickelt hat zu einer aesthetischen Faehigkeit, welche uns erlaubt, sowohl die verblueffende Schoenheit eines Regenbogens als auch eines pointillistischen Gemaeldes von Seurat zu erkennen und zu schaetzen.

Wie unser Geschmacks- und Geruchsempfinden hilft uns Farbe, die Welt um uns herum zu verstehen.

Im spaeten 19. und fruehen 20. Jahrhundert haben viele Kuenstler nach dem Wesen der Dinge gesucht und haben die visuelle Erfahrung in Komponenten wie „Farbe“ und „Form“ zerlegt, auf ueberraschend aehnliche Weise, wie unser Gehirn Information verarbeitet.

renoir strawberries

Farbe sagt uns, ob Erdbeeren reif sind und erzeugt die Stimmung in Gemaelden. „Erdbeeren“ (ca. 1905, Pierre-Auguste Renoir). Betrachten Sie die Hauptfarben dieses Bildes in ColoRotate.

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Die Fauvisten wollten Farben „befreien“, indem sie Objekte mit atypischen Farben ausstatteten, wie in Andre Derains Charing Cross Bridge, London 1906. Vergleichen Sie dieses Gemaelde mit Derains anderem, mehr gedeckt gehaltenem auf der vorigen Seite. Betrachten Sie die Hauptfarben dieses Bildes in ColoRotate.

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Andre Derain, „Charing Cross Bridge, auch bekannt als Westminster Bridge,“ 1906. Dies ist eine weitere Version der selben Szenerie wie oben, mit gedeckten Farben. Obwohl Derains subtile Farben falsch sind, transportiert das Gemaelde konkretes Gefuehl und Stimmung. Die Fahrzeuge sind schnell. Der Himmel ist teilweise wolkig. Betrachten Sie die Hauptfarben dieses Bildes in ColoRotate.

Die Fauvisten des fruehen 20. Jahrhunderts nahmen diese Trennung der visuellen Erfahrung begeistert auf, die Regel „Farbe folgt der Form“ meidend. Stattdessen verwendeten sie gegenstandsunabhaengige Farben fuer die Darstellung erkennbarer Gegenstaende. Ihr Erfolg ruehrte von der Auffassung der Farbtheorie des spaeten 19. Jahrhunderts her, wonach die „Bunttoene“ der Farben „falsch“ waren, aber die Farbwerte korrekt.

Unser Gehirn erfasst kontinuierlich Information von den rasch wechselnden Bildern, die wir sehen und destilliert aus den sukzessiven Ansichten die zugrundeliegende Bedeutung von Objekten und Situationen heraus. Der Kunstkritiker Jacques Riviere schrieb: „Der wirkliche Sinn der Malerei liegt darin, Objekte so darzustellen, wie sie wirklich sind, was bedeutet, unterschiedlich von der Art, wie wir sie sehen.“ Neurologen stimmen diesem Punkt zu: Der Zweck des visuellen Gehirns ist eher, Objekte so darzustellen, wie sie wirklich sind, anstatt sich auf die Rohdaten zu verlassen, die auf das Auge einstroemen.

Wie die Fauvisten, so koennen auch Sie komfortabler, kreativer und effektiver mit Farbe umgehen, indem sie verstehen, wie unser Gehirn Farbe verarbeitet. Und, indem Sie ColoRotate verwenden, haben Sie mehr Kontrolle ueber die verschiedenen Aspekte von Farbe, und das auf eine Weise, die der aehnelt, wie unser Gehirn Farbe wahrnimmt.

Lesen sie mehr darueber, wie wir Farben wahrnehmen.

aus dem Englischen uebersetzt von Wolfgang Schweizer